Sandra: Stärker als jede Macht

Stärker als jede Macht…

Mit gerade mal fünf Jahren begann meine Geschichte mit Gott. Ich wuchs in einer „normalen“, katholischen Familie auf. An Weihnachten und Ostern besuchten wir die Kirche. Recht viel mehr hatten meine Eltern mit dem Glauben allerdings nicht am Hut.

Ein „harmloses“ Theater?

Eines Tages organisierte mein Kindergarten für Eltern und Kinder eine Fahrt nach München ins Kindertheater zu „Jim Knopf und die Lokomotive“ von Michael Ende. Ich erinnere mich heute noch an die Szene mit den feuerspeienden Drachen und Vulkanen am Ende des Stückes. Während des Theaters bekam ich auf einmal starkes Fieber und Angstzustände. Meine Eltern hatten nach der Vorstellung mit einer befreundeten Familie ein Pizzaessen geplant. Doch aufgrund meines Zustandes mussten sie sofort mit mir nach Hause fahren.

Und was für ein Theater: Der Kampf mit den Mächten

In der folgenden Nacht wachte ich mit einem Anfall auf. Dabei rannte ich wild durch die Wohnung, schlug und biss mich selbst, sowie jeden der in meine Nähe kam. Ich entwickelte derartige Kräfte, dass auch meine Eltern mich nicht mehr halten konnten. Sie erzählten mir, ich wäre nicht ansprechbar gewesen und hätte mit einem starren Blick durch sie hindurch geschaut. Irgendwann brach ich dann zusammen und schlief ein. Am nächsten Tag konnte ich mich an nichts mehr erinnern. Stattdessen hatte ich tagsüber plötzlich panische Angst vor Feuer (vor Kerzen und dem Kachelofen im Wohnzimmer) und Wasser (selbst beim Waschen oder Zähne putzen). Die Anfälle in der Nacht häuften sich. Manchmal überkamen sie mich sogar vier bis fünfmal in einer Nacht. Für meine Eltern begann ein halbes Jahr des absoluten Terrors. Es wurde für sie unmöglich zu schlafen. Sie suchten viele Ärzte auf, um mir zu helfen. Doch kein Arzt konnte mit meinem Phänomen etwas anfangen. Ein Kinderarzt verschrieb mir homöopathische Globuli. Doch darauf wurden die Anfälle noch extremer. Meine Eltern waren mit ihren Kräften und Neven am Ende.

Begegnung mit der stärksten Macht

Meine Mutter, eine gelernte Krankenschwester, erinnerte sich an eine ehemalige Kollegin. Von ihr wusste sie, dass sie mit ihrem Sohn einen Kinderpsychologen aufgesucht hatte. Sie rief die Kollegin an und wollte sich bei ihr nach dem Psychologen erkundigen. Doch die Kollegin erklärte: „Wir waren zwar bei dem Psychologen, doch helfen konnte er meinem Sohn nicht. Helfen kann nur Jesus.“ Meine Mutter entgegnete: „Wie – Jesus?“ Sie antwortete: „Kann ich dich besuchen und für deine Tochter beten?“ In ihrer Verzweiflung ergriff meine Mutter jeden Strohhalm. So sagte sie zu. Wenige Tage später kam ihre Kollegin, legte mir die Hände im Namen Jesus auf und betete für mich. Ihre Aufmerksamkeit fiel auf ein Amulett in meinem Zimmer. Sie meinte, dass davon eine negative Kraft ausgehen würde. Meine Mutter entfernte es. Von diesem Tag an war ich absolut geheilt. Die Anfälle in der Nacht, sowie die Angstzustände am Tag waren verschwunden. Diesen Gott, der so etwas Wunderbares vollbrachte, wollte meine Mutter unbedingt kennen lernen. Gemeinsam mit ihr übergab ich mit fünf Jahren mein Leben an Jesus. Unter Anleitung ihrer Kollegin luden wir Jesus in unsere Herzen ein. Seitdem gehe ich mit Jesus.

Dämonische Hintergründe

Später als Jugendliche erzählte mir meine Mutter, dass das Amulett in meinem Kinderzimmer von ihrem Exfreund (vor meinem Vater) stammte. Er war in der okkulten Szene tätig. Als meine Mutter die Beziehung mit ihm beendet hatte, verfluchte er sie und ihr Leben. Anschließend nahm er sich aufgrund der Trennung selbst das Leben. Des Weiteren recherchierte ich über Michael Ende, den berühmten Kinderbuchautor und Erfinder der (Theater-) Geschichte: „Jim Knopf und die Lokomotive“. Ich las einige Biographien über ihn. Darin wurde mir deutlich, aus welcher Quelle Michael Ende seine Geschichten bezog: Er betete einen Baumgeist in seinem Garten an, der ihm die Geschichten „diktierte“. Manchmal musste er sogar in eine Psychiatrie eingeliefert werden, weil der Geist ihn quälte und ihm keine Ruhe ließ, ehe er die Geschichten vollständig aufgeschrieben hatte.

Durch diese Hintergrundinformationen wurde mir deutlich, dass ich schon von Kindheit an sehr sensibel für die geistige Welt war. Da ich aber nicht unter Gottes Schutz stand, hatten die dämonischen Mächte mich gequält. Doch Gott ist stärker! Er ist der Gott der Befreiung und Heilung – auch heute noch. Er ist stärker als jede zerstörerische Macht. Er hatte mein Leben von einen Tag auf den anderen verändert! Und nicht nur mein Leben, sondern auch das meiner Mutter und meiner Schwester. Beide bekehrten sich durch meine Heilung.

Gottes Macht im Heute

Seitdem brennt in mir eine große Sehnsucht mein Leben ganz für Gott zu leben. Mit 16 Jahren lernte ich meinen heutigen Mann kennen – einen feurigen Christen und Jesusliebhaber. Gemeinsam erlebten wir intensive Gebetszeiten. Bei einer davon erlebte ich die Taufe im Heiligen Geist. Dabei schenkte Gott mir eine tiefe Offenbarung über seine bedingungslose Liebe, wie ich sie noch nie zuvor erfahren hatte. Röm 8, 38-39 lässt mich seitdem nicht mehr los. Dort heißt es: „Denn ich bin überzeugt, dass weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Engel noch Mächte, noch Gewalten, noch irgendein anderes Geschöpf mich scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ Heute, als Religionspädagogin und Grundschullehrerin ist es mein tiefster Wunsch, Kinder ebenfalls für den Glauben an den lebendigen, liebenden Gott zu begeistern. Meine Vision ist es, dass sie Gottes Macht und Liebe ebenso erleben, wie ich damals. Besonders schlägt mein Herz für benachteiligte und ausgegrenzte Kinder. Daher war ich ein knappes Jahr in einem Straßenkinderprojekt in Mumbai tätig. Dort konnte ich den Weisen auf der Straße von der Liebe Jesus erzählen. Auch hier in Deutschland setze ich mich durch Schulprojekte und verschiedene Organisationen für Straßenkinder ein. In Gedichten, Geschichten und Bildern versuche ich meine Erfahrungen mit diesem wunderbaren, liebenden, aber manchmal auch unverständlich-herausfordernden Gott auszudrücken.

Sandra